Tolles Konzert mit Samira Saygili und Peter Autschbach

22.01.2020


Was in den Vorjahren als Geheimtipp bei Insidern galt, hat sich mittlerweile zur Präsentation von Preisträgern gewandelt. Das „Neujahrskonzert“ im Kloster Ensdorf mit der Sängerin Samira Saygili und dem Gitarristen Peter Autschbach. Waren die beiden beim „International Jazz-Competition BuCHarest“ noch „nur“ im Finale, räumten sie beim deutschen Rock und Pop Preis 2019 gleich zwei Preise ab: den für die beste Sängerin und den für den besten Gitarristen.

Die Besucher des Clubkonzerts im Kloster Ensdorf am 5. Januar merkten von den ersten Tönen an, warum. „Rodrigues“ von ihrer CD Sweeter than Honey sprüte nur so von der Leichtigkeit des textlosen Gesangs und der Baritongitarre. Es ist auf der gleichnamigen Insel entstanden, nachdem das Duo einen Masterclass-Workshop und ein Konzert in Singapur gegeben hatte. Also weitgereiste Künstler, die immer Anfang des Jahres im Bildungshaus Kloster Ensdorf Station machen; mittlerweile zum 9. Mal. Die etwa zwanzig Teilnehmer des parallelen Gitarrenworkshops kommen aus ganz Mitteleuropa, von Hamburg über Luxemburg und der Schweiz.

Wenn die studierte Jazzsängerin, sie erhielt ihre Ausbildung in Maastricht und später in Sheffield, zur ihren Scat-Gesang ansetzt, vermisst man die Bläser bei „Comes love“ in keinster Weise. Kurzfristig ins Deutsche übersetzt: „…dann machste nix“ meinte nicht die Soli, die Peter Autschbach mit dem im Hintergrund groovenden Swing-Feeling, dagegen setzte. Es waren aber nicht nur die eigenen Interpretationen von Jazz-Klassikern wie Corcovado, es waren auch die Eigenkompositionen, die die Zuhörer gefangen nahmen. Und die Themen: Saygili, die auch deutsche Vizemeisterin im Bildern ist, erlitt bei einem Sturz einen „Unhappy triad“ und setzte das gleich in einem neuen Song um. Auch „Holobiont“ behandelt ein etwas anderes Thema: es geht um die Symbiose des Menschen mit seinen in sich beheimateten Bakterien – textlich und musikalisch ein Genuss und auch der Siegertiel beim deutschen Rock und Pop Preis 2019.

Nach der Pause überraschte Jürgen Zach die beiden Künstler nach ihrem Song „Sweeter than honey“ mit genau dem: er überreichte je einen „Ensdorfer Zwiefachen“ verbunden mit dem Dank fürs Konzert und dem Wunsch, dass sie sich auch mal an den Zwiefachen musikalisch heranwagen sollten. Der „Suitcase Blues“ – ein Solo des Gitarristen, erzählt vom Leben aus dem Koffer und den Hotels, die während einer Tournee durch Japan zur vorübergehenden Heimat wurden. Den Song auf der in Japan erschienen CD korrigierte Autschbach textlich spontan von Jonny Walker auf Ensdorfer Klosterlikör.

Es fasziniert, dass das Duo nur ein wenig Technik, ein paar Gitarren und zwei Stühle braucht. Auf die glasklaren Tönen der Baritongitarre, deren Spektrum Autschbach genüsslich auskostete von den satten Tiefen bis zu den Flageoletts, legt Samira Saygili´s Gesang ihre enorme stimmliche Ausdruckspalette. Alle im Konzert gecoverten Songs waren nicht aufgewärmt, sondern in typischer Autschbach-Manier bearbeitet. Immer auf sehr individuelle Weise arrangiert bis wieder ein bekanntes Riff aufblitzte, das die Zuhörer auf die tonale Entdeckungsreise durch einen schönen Musikabend mitnahm. Wann hört man schon mal eine Verschmelzung von Girl von Ipanema mit dem 10cc-Klassikers „I´m not in love“? Da stand die Rock´n´Roll-Uptime-Nummer „Downhome Blues Shake it“ neben dem französischen „Sypathique“ genauso authentisch wie das „Keine Lust“ aus der eigenen Feder neben einem nicht enden wollenden Blues.

Die Sphären des Autschbachschen Gitarrensounds nutzen den Frequenzgang des Equipments vorzüglich aus und erinnern oft an ganz enge Keyboardklänge, die nur er wegen seiner besonderen Spieltechnik so spielen kann. Dabei ließ er seiner Partnerin immer den musikalischen Raum, ihre Stimme auszuleben: von einfühlsamen Passagen über humorvolle und hintergründige Parodien, Scatgesang, Trompetenimitationen bis zur rauhen Bluesstimme – wieder alles war dabei. Man darf sich schon auf das nächste Jahr freuen: Ein geniales Duo, dessen musikalische Qualitäten kongenial verschmelzen und sehr sympathisch dazu…

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