Orgelkonzert zum Bayerisch-Böhmischen Barockfestival

03.09.2019


Orgelkonzerte sind in der Ensdorfer Pfarrkirche ja nicht so häufig zu hören. Eigentlich zu unrecht. Das Konzert der Pilsener Organisatin Markéta Schley Reindlová zur Eröffnung der Ausstellung „Barockschätze Bayern Böhmen“ zumindest war nicht nur akustisch ein Genuss. In der barocken Ausstattung der bestens ausgeleuchteten Asamkirche entdeckten auch die Augen Dinge, denen auch eifrige Kirchgänger bisher wenig Beachtung geschenkt haben.
Der Organist der Ensdorfer Pfarrkirche meinte: „Ich erkenne den Klang unserer Orgel nicht wieder. So schnell und mit so viel Farbe auf einer pneumatischen Traktur zu spielen, zeugt von der Klasse der Künstlerin.“ Und auch das nicht so geschulte Ohr bemerkte, dass der Abend etwas Besonderes zu werden versprach. Mit zwei barocken Werken von Frantisek Xaver Brixi (Praeludium in F-Dur) und Jan Krtitel Kuchar (Andante a-Moll) zeigte Markéta Schley Reindlová gleich zu Beginn, was die Orgel zu bieten hatte: voluminöse Strahlkraft und leise, ruhige und einfühlsame Register. Es war so ruhig in der Kirche, dass das Gebläse der Orgel schon fast gestört hat. Vielleicht blieben auch die Augen bei „Pulchrior, ut surgat“, einem Medaillon am Kirchenfenster hängen, dass zum achtsamen Umgang mit der Schöpfung mahnt.

Bei den Choralvorspielen op. 67 von Max Reger merkte man, dass zwar der Orgelprospekt barock ist, das Werk der Ensdorfer Orgel aber aus der Zeit der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts stammt, also genau für Regers Musik konzipiert zu sein schien. Die gewaltigen Bässe des Posaunenregisters waren nicht nur zuhören, sondern auch zu spüren.
Mit der zeitgenössischen Interpretation von Petr Eben zu einem slowakischen Marienlied aus Tyrnau korrespondierte die Musik auch wieder mit der Ausstellung; der barocken Kirche von Tyrnau (nordöstliche von Bratislava) ist eine Druckfahne gewidmet.

Mit Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 645 stand ein barockes Werk auf dem Programm, das mit dieser Orgel mangels der Zungenregister eigentlich nicht authentisch spielbar ist. Aber die Wahlbambergerin spielte das Stück mit so viel Farbe und einer gedämpften Registratur, wie man es selten gehört hat.

Nachdem die Turmuhr mit dem „8 Uhr-Schlag“ fertig war, zeigte Markéta Schley Reindlová mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonata B-Dur op.65, Nr. 4, dass die Orgel zu Recht als die „Königin der Instrumente“ bezeichnet wird. Und wie sagte Gerhard Tschaffon am Ende: „Man muss nicht in den Regensburger Dom fahren, um ein schönes Orgelkonzert zu hören“. Und der lang anhaltende Applaus der Zuhörer gab ihm Recht.

Markéta Schley Reindlová wurde 1975 in Pilsen geboren. Mit 14 Jahren besuchte sie das Pilsner Konservatorium, wo sie Klavier und Orgel studierte. Beide Fächer schloss sie 1995 ab und studierte im Anschluss an der Akademie der musischen Künste Prag. In den Jahren 2001–2008 studierte sie an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg die Fächer Orgel und Kirchenmusik. Markéta Schley Reindlová ist Preisträgerin verschiedener Orgelwettbewerbe wie dem 1. Preis und dem Publikumspreis beim Internationalen Orgelwettbewerb Musica Antiqua in Brügge 2003, dem 4. Preis und dem Publikumspreis beim Internationalen Orgelwettbewerb Musashino-Tokio (Japan) oder dem 1. Preis und dem Publikumspreis beim Internationalen Orgelwettbewerb Orgues sans frontières, Dudelange Luxembourg 2007. Dort nahm sie auch ihre CD mit Werken der tschechischen Romantik und mit modernen Orgelkompositionen auf, die 2010 beim deutschen Label Ambiente erschien.

Die Ausstellung Barockschätze Bayern Böhmen ist im Kreuzgang noch bis 27.9. zu sehen. (Foto: Hubert Söllner)

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