Der Ensdorfer Klosterbrand von 1940

13.02.2020


Ein weiterer Beitrag im Jubiläumsjahr 2020 fand am 8. Februar enormes Interesse: Johann Weiß, der stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Kloster Ensdorf e.V., referierte im überfüllten Keller des Bildungshauses über die Umstände des verheerenden Brandes im Jahr 1940.

Als vor 100 Jahren die Salesianer Don Boscos nach Ensdorf kamen, hätte niemand gedacht, dass bereits 20 Jahre später ihr Wirken und Schaffen durch ein tragisches Großfeuer am 6. Januar 1940 schon wieder beendet werden könnte. Durch den Brand, so berichtete Johann Weiß in seinem mit Originalfotos visualisierten Vortrag, wurden große Teile des Klosters zerstört und ein enormer Sachschaden angerichtet. Die  Amberg-Sulzbacher Zeitung berichtete damals: „Von einem schweren Brandunglück wurde in der Nacht zu Samstag, den 6. Januar, dem Hl. Dreikönigstag des Jahres 1940, das Klostergebäude in Ensdorf heimgesucht. Gegen zwei Uhr nachts sahen Augenzeugen aus dem Dachstuhl des Klostergebäudes Flammen schlagen, die rasch um sich griffen und in kürzester Zeit den Dachstuhl und die oberen Stockwerke des ganzen Gebäudes vernichteten. Die Flammen erfassten auch den Dachstuhl und den Turm der Klosterkirche. Die am Brandort erschienenen Feuerwehren von Ensdorf, Rieden, Vilshofen und Amberg nahmen mit größtem Einsatz die Bekämpfung des Brandes vor. Ihrem tatkräftigen Einsatz war es zu verdanken, dass die Klosterkirche vor der Vernichtung bewahrt wurde. Das Klostergebäude jedoch wurde ein Opfer der mehrere Stunden andauernden Brandkatastrophe“.

Das Kloster war fast zu einer Ruine geworden. Weiß zitierte die Schilderung der Brandnacht durch den damaligen Klosterdirektor Pater Stephan Wolferstetter. Die Dachstühle aller vier Flügel waren verbrannt. Im Inneren hatte das Feuer sich so weit nach unten durchgefressen, bis es auf gemauertes Gewölbe oder auf eine Betondecke stieß. Im Pfortenflügel hatte es die Säle in den beiden Obergeschossen zerstört. Im Südflügel waren die Kapelle und der Speisesaal komplett ausgebrannt, listete Weiß auf. Erst vor dem überwölbten Erdgeschoss mit der Küche und seinen Nebenräumen hatte das Feuer Halt gemacht.

Im Ostflügel und in einem kleinen Teil des Südflügels, wo die Zimmer mit gemauerten Gewölben überdacht waren, war ihm der Dachboden zum Opfer gefallen. Was noch stand, war durchnässt. Gott sei Dank kam bei dem Unglück niemand ums Leben; es waren auch keine Personenschäden zu beklagen.

Johann Weiß mit dem alten Widder aus der Wasserversorgung

Als Brandursache wurde zunächst ein Kurzschluss vermutet, was sich allerdings nicht bestätigte. Vielmehr konzentrierten sich die Brandermittlungen auf zwei Laienbrüder des Klosters. Diese sollen durch Fahrlässigkeit den Brand verursacht haben. Vermutet wurde, dass sie durch unsachgemäße Handhabung eines elektrischen Bügeleisens, mit dem sie die eingefrorene Wasserleitung vom „Widder“ der Quelle im Klostergarten zu den Wasserbehältern auf dem Dachboden auftauen wollten. Bei der Strafkammer des Landgerichts Amberg kam es am 8. Mai 1941 aber mit folgendem Urteil zum Freispruch: „Es spricht alles dafür, dass der Brand infolge des schadhaften Zustandes des überbelasteten Bäckereikamins entstanden ist. Die beiden Laienbrüder trifft an der Entstehung des Brandes keine Schuld“.

Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Salesianer Don Boscos im Kloster Ensdorf“ folgen weitere Veranstaltungen zur Geschichte und ein lebendiges Bildungsprogramm für Jung und Alt (s. a. Veranstaltungen)

 

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