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Konzert mit Peter Autschbach (Gitarre) und Samira Saygili (Gesang)

Veröffentlicht am: 10. August 2021

Ob es daran lag, dass die Musikliebhaber einfach nur Live-Musik hören wollten, oder daran, dass sich im Ensdorfer Klosterhof zwei im Vilstal mittlerweile Bekannte angesagt hatten, wird den Veranstaltern egal gewesen sein: die Plätze waren alle besetzt. Samira Saygili und Peter Autschbach gaben sich nach langer coronabedingter Pause wieder einmal die Ehre. Und trotzdem war es eine Premiere. Denn erstmals hallte der Klosterinnenhof „open air“ im Sommer den strahlenden Sound der beiden wider. Ein Abend der besonderen Art zum 900-jährigen Klosterjubiläum: perfektes Wetter, einzigartige Musik, nette Menschen. Einzig die Deutsche Bahn hätte beinahe einen „Streik“ durch Rechnung gemacht.

Doch als das erste satte C der Baritongitarre bei Elton John´s „Your Song“ sich mit einer irren Tragkraft auf den Weg durch das Barockkarree machte, war klar: Zurücklehnen und genießen!

Die Setliste beinhaltete das verträumte „Rodrigues“, das auf der gleichnamigen Insel entstanden ist und sofort klar machte, dass Samira Saygili mit ihrer Stimme auch ohne Text Stimmung beschreiben kann. Und wenn der Siegener Gitarrist schon mal die klassische Gitarre in der Hand hat, dann kann auch gleich ein Jazz-Standard folgen. Selbstverständlich war bei „Comes love“ nicht nur ein tolles instrumentales Arrangement zu erwarten, sondern auch eine witzige Textadaption in Deutsch und Scat-Gesang von Flügelhorn bis Katze.

Und dann kamen die noch unbekannten Songs, die während des Lockdowns entstanden sind: ein Song von Samira für ihren verstorbenen Vater, der das irdische Leben als „it was the first part“ beschrieb. Beide hatten sich aufs virenfreie Fuerteventura zurückgezogen und Songs geschrieben, komponiert, aufgenommen und gefilmt.

„Starlight“ ist dort entstanden und „Sing!“. Ein Song, bei dem die ungeheure Harmonie der beiden zum Ausdruck kommt, wenn der Gesang die Gitarrensoli doppelt und 1:1 abbildet. Mittendrin hört man Wellen und Vögel, spürt auch im Klosterhof die Weite der Musik und deren Möglichkeiten.

Vor der Pause kam dann noch die mittlerweile legendäre Mikrobenhymne „Holobiont“, die sich mit der Symbiose des Menschen mit seinen in sich beheimateten Bakterien beschäftigt – textlich und musikalisch ein Genuss und auch der Siegertitel beim deutschen Rock und Pop Preis 2019. Und an diesem Abend mit dem Klosterchor als Grundlage für das Spontansolo der Sängerin: Perfect Symbiosis!

 

Mit einem in die Gitarrenbegleitung eingewobenen locker swingenden Walking-Bass begann bei „Sweeter than honey“ der zweite Konzertteil. Es war auch ein Dank an die gute Versorgung im Bildungshaus während der ganzen Woche, natürlich auch mit dem Klosterhonig. Der Neujahrs-Gitarrenworkshop fand heuer als Gitarrenurlaub im August statt, bei dem auch „In a mellow tone“ erarbeitet wurde. „Und dann kam der Mollakkord und wusch all die Träume fort“ sang die studierte Jazzsängerin, die ihre Ausbildung in Maastricht und später in Sheffield erhielt, aber der traumhafte Abend ging weiter.

Rock ´n´ Roll war angesagt. Doch dann kam das „Gebetläuten“ vom Kirchturm. Peter Autschbach nutzte es als Grundlage für eine für ihn typische Spontaninterpretation, in die auch seine kongeniale Partnerin einstieg. Dass die beiden nicht mehr brauchen als Stimme, Gitarre, zwei Stühle, ein wenig sehr gute Technik und Menschen, denen diese spielerische Perfektheit gefällt, kam nicht erst bei den Zugaben zum Ausdruck.

Was sie können, bezeugen die Preise und Engagements, die mittlerweile ihren Weg begleiten:

Masterclass-Workshops, ansehnliche Klickzahlen bei Youtube, Preise in ganz Europa und auch schon mal ein Konzert in Singapur.

Getragen von den glasklaren Tönen der Baritongitarre, deren Spektrum Autschbach genüsslich von den satten Tiefen bis zu den Flageoletts auskostete, zeigte Samira Saygili ihre enorme stimmliche Ausdruckspalette. Und es waren v.a. auch die leisen Töne, die den Sommerabend mit „Over the Rainbow“ und dem „Girl von Ipanema“ so traumhaft nachhallen lassen.