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Bildungshaus nimmt Flüchtlinge aus der Ukraine auf

Veröffentlicht am: 17. März 2022

Wenn Barbara Brechler die Geschichte ihrer Flucht erzählt, glitzern Tränen in ihren Augen. Und nicht nur in ihren. Auch wer ihr zuhört, ist sofort berührt von der Geschichte, die sich so ähnlich gerade tausendfach wiederholt, seit Putin am 24. Februar die Ukraine angegriffen hat.

Barbara Brechler kommt aus Lutsk im Westen der Ukraine. Zwei Tage nach Beginn des Krieges wurde der Militärflughafen in der Nähe ihrer Heimatstadt beschossen. Die Familie wurde vom Bombenalarm aus dem Schlaf gerissen. Auch am Tag danach gab es immer wieder Alarm. Trotzdem wollte Barbara bleiben – obwohl ihr Halbbruder, der in Rieden lebt, sie drängte zu ihm ins sichere Deutschland zu kommen. Im Bildungshaus Kloster Ensdorf hatte er bereits eine Unterkunft für seine Angehörigen organisiert. 

Als erneut Bomben fielen, blieb nur die Flucht

Doch die Familie blieb zunächst in der Ukraine - trotz der ständigen Gefahr und der allgegenwärtigen Angst. Erst als am 10. März wieder Bomben auf Lutsk fielen, entschlossen sich Barbara Brechler, ihre Mutter Liudmyla und ihre Schwägerin Angelina mit ihrer einjährigen Tochter zur Flucht. Sie schafften es, ein Taxi zu organisieren, das sie nach Lwiw brachte. Von dort aus kamen sie mit dem Bus über Polen nach Nürnberg, wo Barbaras Halbbruder sie in Empfang nahm.

Zwei Tage dauerte die Flucht. Am Sonntagnachmittag kamen sie schließlich im Bildungshaus Kloster Ensdorf an, wo Einrichtungsleiter Daniel Neuburger sie in Empfang nahm. „Es macht einen fassungslos so eine Geschichte zu hören. Sie zeigt wie unmenschlich und sinnlos dieser Krieg ist“, sagt Neuburger. 

Die Familie nicht alleine lassen

Umso mehr freut er sich, wenigstens der Familie von Barbara Brechler helfen zu können. „Aktuell stehen noch viele Zimmer leer, weil wir Pandemie bedingt kaum Gäste haben. Allerdings wird sich das im April wohl wieder ändern.“ Trotzdem hat er zumindest für die nächsten zwei Wochen das Bildungshaus als mögliche Flüchtlingsunterkunft beim Landratsamt gemeldet. Und Barbara Bechler und ihre Familie sollen auch länger bleiben können. „Es gibt eine Praktikantenwohnung, die wir für die Familie herrichten“, erklärt der Einrichtungsleiter.

Aktuell wohnen die drei Frauen und das kleine Mädchen zusammen in einem der Fünf-Bett-Zimmer des Bildungshauses. Für Verpflegung sorgt die Klosterküche. Dinge wie Kinderbett und Buggy wurden von Familien aus der Gemeinde gespendet. Für Anschaffungen wie neue Handykarten kommt Barbaras Halbbruder auf.

Die Hilfsbereitschaft ist groß

„Die Hilfsbereitschaft ist sehr groß“, erzählt Daniel Neuburger. Er selbst steht in engem Kontakt mit den Flüchtlingen und hilft beim Umgang mit Behörden und der notwendigen Registrierung. Auch andere Freiwillige stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. „Es ist uns wichtig, die Familie nicht allein zu lassen. Sie sollen rund um die Uhr jemanden haben, an den sie sich wenden können.“ 

Die drei Frauen wissen diese Hilfsbereitschaft sehr zu schätzen. Barbara und Angelina haben bereits angeboten, im Kloster mitzuarbeiten. Auch um sich abzulenken von der Angst und der Sorge um ihre männlichen Verwandten, die in der Ukraine zurückbleiben mussten, um zu kämpfen. Per Handy hält Angelina Kontakt zu ihrem Mann und Liudmyla zu ihren Söhnen.

„Vielleicht ist der Krieg ja bald zu Ende“, sagt sie und wieder fließen Tränen. Alle drei hoffen, dass sie bald in ihre Heimat zurückkehren und ihr Zuhause wieder aufbauen können. Und dass ihre Liebsten dann noch leben.

 

Text: Claudia Klinger
Foto: Hans Babl