Kloster Ensdorf
 

 

Wissenswertes aus dem Kloster

"Religion nebenan" - Eine Ausstellung als Spurensuche im Alltag - 10.01.2012 08:00

  • Regina Maria Suchy und Cornelius Bohl
Eine „Sehhilfe“, die ins Bewusstsein bringt, wie vielfältig in unserem Umfeld Menschen ihren Glauben leben, nannte Direktor P. Christian Liebenstein die Fotografien von Regina Maria Suchy mit Texten von Cornelius Bohl. Die Bilder regten ihn an, führte Liebenstein bei der Eröffnung der Ausstellung „Religion Nebenan – eine Spurensuche“ am 8. Januar im Kreuzgang des Klosters aus, bewusst und mit Respekt wahrzunehmen auf wie vielen Wegen und in wie vielen Formen Menschen auf der Suche nach Gott seien. Mit einem Menuett führte die „Ensdorfer Stubenmusik“ über zur Einführung in die Ausstellung durch Franziskanerpater Dr. Cornelius Bohl. Er ging auf eine Nachricht ein, welche Ende November durch alle Medien gegangen sei: Der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig habe einem 18-jährigem muslimischen Gymnasiasten untersagt, an seiner Schule in Berlin öffentlich zu beten. Begründung:  Das Gebet gefährde den Schulfrieden. Die Meldung, so Bohl, werfe ein bezeichnendes Schlaglicht auf die spannungsreiche Situation von Religion in unserer Gesellschaft. Einerseits sprächen viele von einer „Rückkehr der Religion“ in unserer weitgehend säkularisierten Welt, zugleich gäbe es aber auch einen neuen Materialismus, der weltweit zu einer Wirtschafts- und Finanzkrise geführt habe. Aber auch einen neuen kämpferischen Atheismus, den viele spätestens nach dem Zusammenbruch des Kommunismus überwunden glaubten. Das Phänomen Religion, so der Redner, sei in sich ambivalent. „Die tiefste Freude des Menschen liegt im Bewusstsein, dass es Gott gibt“ zitierte er den österreichischen Religionsphilosophen Ferdinand Ebner. Es gebe aber auch die andere Seite: Glaube kippe zum Fanatismus und zwar in allen Religionen, verwies Cornelius Bohl auf religiös motivierte Selbstmordattentäter, Kreuzzüge, Judenverfolgung, Ehrenmorde.
Regina Maria Suchy, führte er weiter aus, habe sich mit ihrer Kamera im Raum Nürnberg auf die Suche gemacht nach Ausdrucksformen von „Religion nebenan.“ Sie lade mit ihren Bildern ein, Augen und Ohren auf zu machen und einander in ökumenischen und interreligiösen Begegnungen näher kennen und schätzen zu lernen. Für die Katholische Erwachsenenbildung, die in Kooperation mit dem Kloster Ensdorf  und den Evangelischen Bildungswerk für die Ausstellung verantwortlich zeichnet, hob Johann Bauer die spirituelle Vielfalt der Fotografien hervor, warf die Frage auf welche davon in Amberg möglich wären. Siegried Kratzer vom Evangelischen Bildungswerk betonte „Wir stellen fest: Gott zeigt sich für andere oft ganz anders, aber oft auch sehr ähnlich.“ Regina Maria Suchy mache dies mit ihren Bildern sichtbar, Pater Cornelius Bohl  habe es mit seinen Worten auf den Punkt gebracht.
„Religion nebenan“ zeige nur einen kleinen Auszug der religiösen Vielfalt in Nürnberg und Umgebung, betonte Regina Maria Suchy und bezeichnete die vielen Begegnungen für sie persönlich als sehr bereichernd. Bilder seien Geschmacksache, könnten bestenfalls den Geist erweitern und dabei auch die Seelen berühren.
Noch einmal spielte die Stubenmusik auf, P. Liebenstein lud zu einem kleinen Imbiss ein und Fotografin und Autor standen bei der Betrachtung der Bilder zu Erläuterungen und Diskussion zur Verfügung. (Hubert Söllner)



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